
In unserer globalisierten Welt, in der politische, ökonomische und soziale Fragen über nationale Grenzen hinweg miteinander verflochten sind, ist Übersetzung zu einem elementaren Werkzeug geworden - sowohl in linguistischer Hinsicht wie, im übertragenen Sinne, für unser Verständnis der Wirklichkeit. Dieser Begriff, als Modell und als Metapher verstanden, ist der Ausgangspunkt für die Ausstellung Found in Translation, in der neuere Arbeiten vereint sind, die sich mit der Verhandlung kultureller Unterschiede durch geschriebenen oder gesprochenen Text beschäftigen. In Videos, Installationen, Fotografien und anderen Medien untersuchen die Künstler dieser Ausstellung Schnittstellen zwischen Sprache, Politik, Geschichte und Imagination, um zugleich die Vergangenheit kritisch zu kommentieren und ideenreich Möglichkeiten für die Gegenwart zu entwerfen.
Die Notwendigkeit und die Schwierigkeit, sich über kulturelle und historische Schranken hinweg zu verständigen, ist heute ein unvermeidlicher Aspekt unseres Lebens. In diesem Zusammenhang ist die Übersetzung - im sprachlichen wie im übertragenen Sinn - ein elementares Werkzeug für unser Verständnis der Wirklichkeit. Mehr als je zuvor müssen wir überdenken, was durch Übersetzungen verloren oder gewonnen werden kann und welche Auswirkungen diese endlos erscheinenden Umwandlungen auf unsere Welt haben.
Found in Translation vereint aktuelle Arbeiten von neun Künstlern, die sich mit dem Thema der Übersetzung als Modell und Metapher, als kritischem Kommentar der Vergangenheit und als Ideenreservoir für die Gegenwart, beschäftigen. Die Übertragung eines Textes von einer Sprache in eine andere eröffnet diesen Künstlern ein weites diskursives Feld, in dem sie Begriffe der Identität - wie Klasse, Herkunft, Religion und Sexualität - behandeln. In dieser nur auf den ersten Blick einfach erscheinenden sprachlichen Aufgabe wird ein Mikrokosmos der Interaktion zwischen den Kulturen sichtbar, der einerseits von Machtverhältnissen zeugt, andererseits aber auch neue ästhetische Wege weist. Mittels der hier präsentierten Arbeiten, die sich gleichermaßen mit Geschichte wie mit Fantasie befassen, erkunden die Künstler vielfältige politische und gesellschaftliche Zusammenhänge. Im Zentrum steht dabei immer die Sprache, das entscheidende Verbindungsglied zwischen den Kulturen und Zeiten.
Da Sprache in Echtzeit erfahrbar wird, stellt Found in Translation vor allem mediale Arbeiten wie Videos, Filme und Diaprojektionen vor. Hinzu kommen Fotografien und Drucke, in denen Sprache als formales Element integriert ist. Akte des Lesens und des Sprechens bilden einen weiteren Schwerpunkt: Siemon Allen , Alejandro Cesarco , Brendan Fernandes und Lisa Oppenheim untersuchen die möglichen Verzerrungen von literarischen Werken durch kulturelle Unterschiede. Sharon Hayes , Matt Keegan und O Zhang betrachten Sprache als ein öffentliches Forum, indem sie die Politik des Sprechens in unterschiedlichen geschichtlichen Zusammenhängen fokussieren. Patty Chang und Keren Cytter widmen sich dem Reich der Fantasie und übersetzen Texte in melodramatische sehnsuchtsvolle Filme. Alle diese Künstler weisen mit ihren Werken darauf hin, dass Übersetzungen dazu beitragen, die komplexen historischen und politischen Zusammenhänge, die unser heutiges Leben bestimmen, besser zu verstehen.
Pressetext
KünstlerInnen: Siemon Allen , Alejandro Cesarco , Brendan Fernandes , Lisa Oppenheim , Sharon Hayes , Matt Keegan , O Zhang , Patty Chang , Keren Cytter