
Auktion 15. Mai 2010 ab 10.30 Uhr
Vorbesichtigung Köln: 07. - 13. Mai
Katalog online www.lempertz.com
Am Tag der Auktion mit Gemälden, Skulpturen und Zeichnungen des 15. - 19. Jahrhunderts findet am Vormittag eine Sonderauktion mit zwei exquisiten Sammlungen spätgotischer Malerei und Skulpturen statt. Die insgesamt 50 Lose der beiden außergewöhnlichen Sammlungen werden in einem Sonderkatalog präsentiert. Die Slg. Steinmetz enthält 35 Lots, darunter fünf Skulpturen und zwei Fragmente eines Altargesprenges; aus der Slg. Härle kommen 15 Skulpturen.
Sammung Walter Steinmetz
Walter Steinmetz, unverheiratet und alleinlebend, hatte nur eine Leidenschaft: die spätgotische Kunst. Für diese war er unterwegs, ihr widmete er seine gesamte freie Zeit, indem er nach den Namen der Meister und zur Ikonographie seiner Bilder forschte, nach der Bedeutung kleinster Details. Der 2009 verstorbene Sammler nahm Kontakt mit Kunsthistorikern und Museumskuratoren auf sowie zu den Experten in den Auktionshäusern, Kunsthändlern und anderen Sammlern. Diese Leidenschaft begann wohl in den späten 60er, frühen 70er Jahren.
Die finanziellen Mittel des Kaufmanns aus dem Großraum Darmstadt waren keineswegs unbegrenzt. Walter Steinmetz konnte nicht alles kaufen, was er gerne erworben hätte, im Gegenteil musste er oft abwägen, sich entscheiden und eine begehrte Trophäe gelegentlich anderen Sammlern überlassen. Am Ende war er glücklich und auch ein wenig stolz auf sein Lebenswerk, das eine beachtliche Auswahl von Exponaten aus den verschiedenen Kunstlandschaften der letzten 100 Jahre vor dem Beginn der Neuzeit und dem Vorabend der Reformation umfasst. Seine Sammlung wurde 2007 im Stadtmuseum Lindau unter dem Titel "Das spätgotische Tafelbild im deutschsprachigen Raum" gezeigt. Mit unserem Sonderkatalog möchten wir seinen Wunsch nach der angemessenen Präsentation seiner Sammlung ein weiteres Mal erfüllen und darüber hinaus einen Sammler würdigen, der in seiner konzentrierten Ausschließlichkeit ganz außergewöhnlich war.
Der Schwerpunkt der 35 Werke umfassenden Sammlung spätgotischer Kunst aus den deutschsprachigen Ländern, darunter neben den Gemälden auch fünf Skulpturen, liegt vor allem in den Kunstregionen entlang des Rheins. Höhepunkt der Gemälde sind mit 100/120.000 zwei Szenen aus der Ursula-Legende eines Kölnischen Meisters um 1456 (Lot 1508). Mit 80/100.000 ist ein Hortus Conclusus mit Einhornjagd und Wurzel Jesse eines Oberrheinischen Meisters vom Ende des 15. Jh. bewertet (Lot 1511). Bei 60/80.000 liegt ein um 1400/1410 entstandenes Gemälde mit Hl. Barbara und Hl. Mauritius vom Meister der Mainzer Kreuzigung (Lot 1500). Dieselbe Taxe trägt auch eine Messe des Heiligen Gregor, die dem um 1450 - um 1515/18 in Köln tätigen Jüngeren Meister der Heiligen Sippe zugeschrieben wird (Lot 1527).
Highlight der Skulpturen ist eine um 1420 entstandene, österreichische Madonna mit Kind. Die 142 cm große, dreiviertelrund geschnitzte Arbeit ist auf 30/35.000 taxiert (Lot 1530). Um 15.000 wurden in Schwaben ein Hl. Wolfgang und ein Hl. Antonius in Lindenholz geschnitzt; die um einen Meter großen Figuren liegen bei 22/25.000 (Lot 1535).
Sammlung Carl Härle
Den Schwerpunkt der Sammlung Carl Härles (1879-1950) bilden Skulpturen des späten Mittelalters und des Barock. Härle, einer der engsten Mitarbeiter von August Thyssen und der Familie bis an sein Lebensende eng verbunden, war der alten Kunst und besonders der mittelalterlichen Skulptur leidenschaftlich hingegeben. Seine Kunstsammlung baute er seit 1920 in nur 20 Jahren auf. Der größte Teil wurde von seinen Nachfahren dem Erzbischöflichen Diözesanmuseum in Köln geschenkt; der Restbestand von 15 Skulpturen kann nun von Lempertz offeriert werden.
Höhepunkt der Offerte ist eine wohl oberschwäbische Hl. Barbara aus der Zeit um 1460/70. In Lindenholz (Lot 1542, 40/50.000). Bei 25/30.000 liegt eine alpenländische thronende Muttergottes aus dem 13. Jh. (Lot 1536). Eine um 1480 in Flandern in Holz geschnitzte Hl. Katharina kommt auf 30/35.000 (Lot 1545).
Am gleichen Tag findet außerdem die Auktion Alter Kunst statt.
