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Die Kunsthalle Basel freut sich mit Obstacles to Renewal (Hindernisse zur Erneuerung) die erste umfassende Einzelausstellung von Cyprien Gaillard (geb. 1980, Paris) in der Schweiz anzukündigen. Der Künstler präsentiert Geographical Analogies (2006-10), ein Werk bestehend aus 100 Schaukästen mit Polaroids von modernen und historischen Gebäuden und Orten. Die Ausstellung beinhaltet auch einen 16mm Film, Cities of Gold and Mirrors, der 2009 in Mexiko gedreht wurde, und eine neue Arbeit, ein auf Leinwand aufgezogenes grosses Transparent mit dem Titel Flying Indians (2010).
Mit den Mitteln der Fotografie und des Films und unter Verwendung von „gefundenen“ Artefakten sucht Cyprien Gaillard nach den Spuren moderner Architektur in der zeitgenössischen Landschaft und dokumentiert deren Verfall und Verschwinden. Diese monumentalen „Hindernisse zur Erneuerung“ stehen anachronistisch in der Landschaft und erwarten ihren unausweichlichen und kostenintensiven Abriss. Gaillard setzt sich in seiner Arbeit mit der Veralterung dieser architektonischen Projekte und der Spannung zwischen Zerstörung und Erneuerung auseinander. Landschaftsmalerei und Land Art beeinflussen Gaillards Werk ebenso wie Musikvideos und Graffitis seiner Generation. In vielen seiner Filmen kontrastiert Gaillard bildgewaltige Aufnahmen mit atmosphärischer Musik und evoziert so Gefühle von Verlust und tiefer Melancholie. In Desniansky Raion (2007) ist die Sprengung einer Vorstadtsiedlung in Paris von einer Lasershow begleitet; andere Ausschnitte des Films zeigen eine Strassenschlacht von Hooligans in einem heruntergekommenen Viertel von St. Petersburg und Flugaufnahmen von einer Wohnsiedlung in einer russischen Kleinstadt vor dem Hintergrund einer Steppenlandschaft. 2007 präsentierte Gaillard den Film auf Einladung der Kunsthalle gemeinsam mit dem Musiker Koudlam als Live Performance im Stadtkino Basel.
Vor dreissig Jahren war Cancun noch ein kleines Fischerdorf. Heute ist der Ort eine Millionenstadt und Synonym für Billigtourismus, wo Hunderte amerikanischer Jugendlicher während den Semesterferien das Alkoholverbot im eigenen Land umgehen. Der 16mm Film Cities of Gold and Mirrors (2009) von Gaillard spielt in Cancun und ist eine filmische Momentaufnahme der Gebäude und ihren Nutzern in fünf Teilen: Bilder von vereinzelten Ruinen, Golfplätzen und postmodernen Hotelanlagen folgen auf Aufnahmen von Trinkritualen von jungen Männern. Vereinfachte und vulgäre Aneignungen von Motiven der einheimischen Kultur finden sich in den pyramidenförmigen Bauten und dschungelartigen Lobbys der Hotels genauso wie in Form von Logos auf Bier- und Mescalflaschen. Unterlegt ist Cities of Gold and Mirrors mit dem Soundtrack einer japanisch-französischen Zeichentrickfilmserie der 1980er Jahre, welche als Dokufiktion die Entdeckung Amerikas erzählt.
Flying Indians (2010) ist ein 4 x 5 Meter grosses Transparent mit dem Logo des amerikanischen Baseballteams der „Cleveland Indians“ – der überzeichneten Darstellung eines amerikanischen Ureinwohners mit schelmischem Grinsen. Auf Leinwand aufgezogen wirkt sie wie ein Relikt einer längst vergangenen Zeit.
Die bisher umfassendste Arbeit Gaillards ist Geographical Analogies (2006-10), die in der Kunsthalle in ihrer Gesamtheit zu sehen ist. Seit 2006 macht der Künstler mittels des analogen Verfahrens des Sofortbildes in der ganzen Welt Aufnahmen von Architekturen und Landschaften. In 100 Schaukästen sind jeweils neun Polaroids in Form eines Rhombus nach formalen Analogien gruppiert und auf zwei langen Tischen nebeneinander angeordnet: Brachland neben historischen Parkanlagen, kambodschanische, von Regenwald überwucherte Tempelanlagen neben einem Schild mit der Aufschrift „Optimist Youth Building“, Graffitis an Wandflächen der New Yorker Bronx neben auf Kirchenmauern gesprühten Tags. Gaillards Atlas ist jenseits von klassischen Einordnungen und bleibt fragmentarisch und zeitbedingt, da die Polaroids mit jeder neuen Präsentation stärker verblassen.
(Pressetext)
Künstler Cyprien Gaillard