Ausgelöst von der Ägypten Expedition Napoleons zwischen 1798 und 1801 und den damit verbundenen Publikationen von Dominique Vivant Denon von 1802 und der monumentalen 22bändigen Dokumentation die ab 1809 bis 1829 erschien, wurde Europa von einer wahren Ägyptomanie erfasst.
In Österreich stellen die heute im Kupferstichkabinett der Akademie der bildenden Künste aufbewahrten 57 Aquarelle des Norbert Bittner die ersten Zeugen dieser Ägyptenbegeisterung des Biedermeier und einen frühen Beitrag zur Verbreitung der ägyptischen Monumente dar.
Der Biedermeiermaler Norbert Bittner , der als Zeichenlehrer u.a. um 1812 auch Franz Schubert unterrichtete, war selbst nie in Ägypten gewesen.
Seine Anregungen und Vorlagen fand Norbert Bittner in:
1. der 22 Bände umfassenden Dokumentation Description de l`Egypte...(Paris 1809-1828) sowie die schon 1802 erschienen zwei Foliobände der Voyage dans la basse et haute Egypte pendant les campagnes du général Bonaparte von Dominique Vivant Denons, anlässlich der Napoleonexpedition von der Landung in Alexandria bis zum 1. Nilkatarakt von 1798-1801.
2. Antiquité de la Nubie, ou Monuments inédits des bords du Nil, situés entre la première et la seconde cataracte von Franz Christian Gau, der seine Nubienreise 1818 1820 mit Zeichnungen der Baudenkmäler zwischen dem 1. und 2. Nilkatarakt bis Abu Simel bei Cotta in Stuttgart und Paris zwischen 1822 bis 1827 publizierte.
3. den Illustrationen des Jean Raymond Pacho, der seine Expedition in das antike Libyen bis zur großen Syrte von 1824 1825 in Paris unter dem Titel Voyage dans la Marmarique, la Cyrénaïque et les Oasis dAudjelah et de Maradèh zwischen 1827 - 1829 veröffentlichte.
Die von Bittner getroffene Auswahl versucht offensichtlich die wichtigen Bau- und Kunstwerke zu erfassen und eine fingierte Reise von Nord nach Süd zu rekonstruieren.
Bittner geht in seinen farblich reizvollen Blättern zwar von den Vorlagen aus, ohne sich aber exakt an die Vorlagen zu halten. Bittners freier Gestaltungswille verändert die Vorlage nicht nur in Details sondern gelegentlich auch durch Hinzufügung neuer Architekturelemente und neuer Architekturrahmen. Er versucht die Vorlagen ästhetisch und kompositorisch durch eine bühnenartige Gestaltung der Monumente aufzubessern.
Gegenüber den schwarz-weißen Kupferstichen vertiefen die farbigen Aquarelle das landschaftliche Erlebnis der Nil- Expeditionen auch in emotionaler Hinsicht..
Die Ausstellung findet in Kooperation mit dem Kupferstichkabinett der Akademie der bildenden Künste Wien statt.
Zur Ausstellung erscheint ein Katalog.
Pressetext
KünstlerInnen: Norbert Bittner