Werke bedeutender zeitgenössischer Künstler und Künstlerinnen eröffnen in Erschaute Bauten. Architektur im Spiegel zeitgenössischer Kunstfotografie ungewöhnliche Perspektiven auf Bauwerke, wie sie in der beauftragten Architekturfotografie nicht zu finden und der alltäglichen Wahrnehmung versagt sind. Basierend auf der Fähigkeit zeitgenössischer Kunst, neue Sichtweisen auf Bestehendes zu liefern, ermöglicht Erschaute Bauten auch einen Blick hinter die Kulissen von Gebäuden. Gleichzeitig thematisiert die Ausstellung die Bedeutung zeitgenössischer Kunstfotografie für das Verständnis von Architektur sowie die wechselseitige Beeinflussung der beiden Kunstrichtungen.
Kaum ein Bereich wirkt sich auf unser Leben so nachhaltig aus wie Architektur, Urbanismus und Stadtplanung, bewegen wir uns doch ständig in gebauter Realität. Architektur muss mehr sein als Skulptur gewordene Stadtplanung, sie muss im Alltag funktionieren. Wenn Kunst sich mit gebauter Architektur befasst, sind bestehende Maßstäbe der Architekturlehre für einen Augenblick außer Kraft gesetzt was uns im betreffenden Moment interessiert, ist der andere, künstlerische Blick auf Bauten und was dahintersteht, so MAK-Direktor Christoph Thun-Hohenstein zur Intention der Schau.
Unterteilt in acht Themenkreise Restaurierung, Reanimation, Wohnen, Utopische Visionen, Dekonstruktion, Fragmentierung, Kritik und Systemanalyse zeigt Erschaute Bauten in erster Linie Werke der einflussreichsten zeitgenössischen Künstler, die mit ihren Fotografien in den letzten Jahren einen Wandel der Sichtweise und des Stellenwerts der Fotografie bewirkt haben. Sowohl Künstler als auch Ausstellung konzentrieren sich auf Bauten des 20. und 21. Jahrhunderts mit Kultstatus, darunter Werke von Proponenten der Moderne wie Frank Lloyd Wright, Erich Mendelsohn, Berthold Lubetkin und der Tecton Group, Ludwig Mies van der Rohe, Le Corbusier, Philip Johnson und Ernst Plischke sowie zeitgenössischer Architekten wie Frank O. Gehry, Herzog & de Meuron, Kenzo Tange und Peter Zumthor.
Eine besondere Bedeutung kommt Rudolph M. Schindler zu, mit dessen Vermächtnis das MAK eine langjährige Beziehung verbindet nicht zuletzt führte diese zur Gründung des MAK Center for Art and Architecture in Los Angeles sowie des MAK-Schindler-Stipendiatenprogramms in den Mackey Apartments. Erschaute Bauten zeigt, verteilt auf unterschiedliche der acht Themenkreise, als neunte Untergruppe Arbeiten von Künstlern und Künstlerinnen zu Schindlers Architektur.
Künstler und Künstlerinnen erhalten oft Zugang zu Gebäuden, die nicht öffentlich besichtigt werden können; mit ihren Arbeiten vermögen sie etwa auch sozioökonomische Prozesse zu offenbaren oder die Auswirkungen der Zeit zu konterkarieren. Die Zeit übt einen großen Einfluss auf Architektur aus, da der allmähliche Verfall das Erscheinungsbild und die Funktionalität eines Gebäudes verändert. Das Gebäude kann daher ein Schatten dessen sein, was in der Vorstellung des Betrachters existiert, die von Fotografien aus der Zeit kurz nach Fertigstellung des Gebäudes geprägt ist, gibt Simon Rees , Kurator der Ausstellung, einen Einblick in das Mehr an Erschauen, das die einzelnen Ausstellungssegmente ermöglichen. Eröffnet wird auch der Blick dorthin, wo gemeinhin nicht fotografiert wird, etwa auf kleine Details, die in Gesamtaufnahmen legendärer Bauwerke nicht erfasst sind.