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Eva Leitolf – Thomas Rösch

Künstler: Thomas Rösch, Eva Leitolf

Ausstellung: 17.09.2010 - 06.10.2010

Veranstalter: Galerie Sabine Salome Schwefel
Galerie Sabine Salome Schwefel bei art-report

Stadt: Stuttgart
Homepage: Galerie Sabine Salome Schwefel




Welche Ausstellungen in Stuttgart am Start sind, können Sie hier übersehen, What`s on mit Bildern oder ohne Bilder


.Die Serie „Deutsche Bilder - eine Spurensuche“ der Fotografin Eva Leitolf wurde in der Pinakothek der Moderne, München erstmals vollständig gezeigt. In diesem Zusammenhang entstand ein Künstlerbuch mit begleitenden Texten.

Mit ihrem zwischen 1992 und 2008 entstandenen Werkkomplex »Deutsche Bilder - eine Spurensuche« setzt sich die Fotografin Eva Leitolf mit fremdenfeindlich motivierten Gewalttaten in Deutschland und dem darüber geführten gesellschaftlichen Diskurs auseinander. Ihre Anfang bis Mitte der 1990er Jahre entstandenen Bilder reflektieren Tatorte von Anschlägen, Sympathisanten im Umfeld und unbeteiligte Zuschauer. Als Eva Leitolf diese Arbeit 2006 wieder aufnimmt, reduziert sie die Bildinhalte auf die Orte des Geschehens und verbindet sie mit akribisch recherchierten Texten zum Tathergang und der jeweiligen juristischen, medialen und politischen Aufarbeitung. Ihre als Langzeitstudien konzipierte Arbeit hinterfragt den gesellschaftlichen Umgang mit fremdenfeindlich motivierter Gewalt und lotet zugleich die Möglichkeiten und Grenzen des Abbildbaren aus.

From the German photographer Eva Leitolf come seven images in the series “German Images – Looking for Evidence” (2006), which offer benign-looking settings that were at some point the sites of violence against immigrants. An idyllic beach swathed in sun is the spot where German youth wielding bottles attacked a radically mixed group of campers, while a picture-postcard view of alpine houses and backyards was taken in the area that is a fascist stronghold in Saxony. (Art in America, June/July 2010)

Inka Graeve Ingelmann: Über Deutsche Bilder – eine Spurensuche in Rostock, Thale, Solingen und Bielefeld
Das erste Bild der Künstlerin Eva Leitolf , das sich mir eingeprägt hat, ist die Fotografie eines Raums. Sie zeigt ein ungemütliches Wohnzimmer, möbliert mit Fundstücken vom Sperrmüll: abgestoßene Schränke aus Furnier, auf denen Kartons von Billigwaschmitteln lagern, ausrangierte Kühltruhen, die kaum noch zu funktionieren scheinen. Das Zentrum des Bildes bestimmt aber nicht das ärmliche Interieur, sondern der Blick auf die geschlossene Eingangstür. Sie ist die eigentliche Erzählerin der Geschichte: schwarze Rauchspuren auf dem Türblatt und Über dem Rahmen, ein notdürftig instand gesetztes Schloss, ein angekohlter Kalender in türkischer Sprache. Alle diese Indizien verweisen unmissverständlich darauf, dass hier vor kurzem ein Akt der Gewalt stattgefunden hat.

Als Eva Leitolf Anfang der 90er Jahre ihre Serie Über Anschläge auf Ausländer begann – es war ihre Abschlussarbeit bei Angela Neuke an der renommierten Hochschule in Essen –, waren die Zeitungen voll mit spektakulären Bildern brennender Asylbewerberheime, prügelnder Neonazis und johlender Voyeure. Nach dem rauschhaften Taumel Über die deutsche Wiedervereinigung war im Westen wie im Osten Katerstimmung eingezogen, und was sich nun den Weg an die Oberfläche bahnte, war die hässliche Fratze einer verleugneten, lange noch nicht bewältigten Vergangenheit. Doch die marktschreierischen Bilder aus der Regenbogenpresse und dem Fernsehen boten vielen auch die Möglichkeit, sich von diesen Ereignissen zu distanzieren, sie als etwas zu betrachten, was sich jenseits der eigenen Lebenswirklichkeit, des wohl kultivierten demokratischen Selbstverständnisses abspielte. In ihrer 20 Bilder umfassenden Serie, die Eva Leitolf „Eine Spurensuche“ nannte, verortete sie diese Bilder wieder in der Mitte unseres täglichen Lebens. Das Bild des zerstörten Wohnraums eines türkischen Arbeiters entstand am gleichen Ort wie die Aufnahme eines typisch deutschen Einfamilienhauses. Klinkerfassade und Holzbalkone unterstreichen den kleinbürgerlichen Traum, der durch das im Vorgarten spielende Kind fast zum Klischee gesteigert wird. Eva Leitolf hatte es in der Nachbarschaft aufgenommen. Stellt man beide Bilder nebeneinander, entsteht der Eindruck, als hätten die deutschen Nachbarn die dramatischen Ereignisse jener Nacht gar nicht bemerkt, als lägen beide Häuser Hunderte von Kilometern auseinander.

Bereits bei dieser ersten umfangreicheren Arbeit entwickelte und perfektionierte Eva Leitolf ihren fotografischen Stil. Ihre Bilder sind präzise und beschreiben detailliert die Ortserkundungen der Künstlerin. Obwohl ihre Arbeiten einen gesellschaftskritischen Ansatz haben, nehmen sie nie offenkundig Partei, klagen nicht demonstrativ an. Sie changieren zwischen künstlerischer Autonomie und soziologischem Anspruch. Jedes Bild versteht sich als Einzelbild, und doch entwickeln ihre Arbeiten vor allem in der seriellen Anordnung ihre suggestive Kraft. Eva Leitolf umkreist ihr Thema beharrlich, Bild für Bild, und in dieser Beharrlichkeit ist sie schonungslos. Doch ihre Fotografien werden dabei nie laut, nie plakativ. Eine eigentümliche Stille ist ihnen eigen, eine nagende Stille, die beim Betrachter Unbehagen auslöst und Fragen aufwirft. (……)
© Inka Graeve Ingelmann 2005

(Pressetext)


Künstler Eva LeitolfThomas Rösch





Eva Leitolf, Haltestelle Potsdam 2006, aus der Serie Deutsche Bilder - eine Spurensuche 1992-1994 / 2006-2008, C-Print; 81 x 69 cm / 66,5 x 53,5 cm; Auflage 6+1