Siehe auch: 17. SAISONSTART DER FRANKFURTER GALERIEN
Zum Saisonstart zeigen wir eine Auswahl an Arbeiten von zeitgenössischen Künstlern, die in ihrem Werk Fragen an den architektonischen Raum und dessen Bedingungen stellen. Der Raum als Referenzsystem gibt uns Anhaltspunkte zur Orientierung und Strukturierung unserer Alltagwelten. Doch was passiert, wenn dieses System ins Wanken gerät? I ask can it be or do the eyes play tricks on me? singt John Maus in seinem Song Fish with broken dreams, benebelt von der Konfusion, wenn Dinge aus dem Lot geraten zu sein scheinen. Durch die Konstruktion ungewohnter und in den Raum eingreifender Formen entstehen Irritationen. Das Verschieben von Wahrnehmungsmustern stört das Gleichgewicht und fordert den Betrachter auf, sich neu zu verorten.
In den Fotografien von Astrid Korntheuer wird der Raum durch das Setting der mannigfaltigen Formen und Farben wie etwa bunte Bänder, Styroporplatten oder glitzernde Plastikfolien bestimmt und fast gänzlich aufgelöst. Das Bezugssystem wird übersättigt von einer vordergründig chaotischen Komposition aus Asymmetrien und Überlagerungen, deren Dreidimensionalität sich im Tiefenrausch verwirkt. Die Emanzipation vom Raum äußert sich bei den Rauminstallationen vom Jáchym Fleig in ihrem invasiven Charakter. Im Widerspruch zur baulichen Anordnung haften seine Skulpturen wie Pilzwucherungen an Wänden, Regalen oder Decken. Schichtungen von Baustoffen befragen ihre eigene Zeitlichkeit genauso wie das Gleichgewicht und die Gliederung von der Architektur.
Der Stränge des Ausstellungsraumes zum Trotz halten die Metallobjekte von Fiona Shaw eine fragile Balance. Erinnernd an zerknüllte Papiere, bringen sie Materialität und verlorene Wunschträume in poetischen Einklang. Wie Susanne Windelen entwickelt die junge Britin Skulpturen, die Alltagsräume zitieren. Windelen dagegen beansprucht den gesamten Projektraum für ihre Installation. Wie im Raum verwoben leiten Metalldrähte, gehalten von aus der Wand greifenden Armen, den Blick in individuellem Rhythmus. Als komplimentierende Position der Ausstellung präsentiert Il-Jin Choi großformatige Tuschezeichnungen. Die Linie fungiert als raumgreifende Geste. Sie gewinnt in ihrer Einfachheit an Autonomie und strukturiert eine Oberfläche neu, scheint gar reliefartig auf dem weißen Papier oder der Wand zu vibrieren. Mit dieser Ausstellung präsentiert die Galerie fünf eigenständige künstlerische Positionen, die den Betrachter durch ihre tiefgründige Sinnlichkeit in den Bann ziehen.
Pressetext
KünstlerInnen: Il-Jin Atem Choi , Jàchym Fleig , Astrid Korntheuer , Fiona Shaw , Susanne Windelen