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James Lee Byars – The Perfect Axis

Künstler: James Lee Byars

Ausstellung: 10.09.2010 - 16.01.2011

Veranstalter: Stiftung Schloss und Park Benrath
Stiftung Schloss und Park Benrath bei art-report

Stadt: Düsseldorf
Homepage: Stiftung Schloss und Park Benrath


James Lee Byars, "Selfportrait", circa 1959 ©Estate of James Lee Byars, Courtesy Galerie Michael Werner Berlin, Köln & New York

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Teil der Quadriennale 2010


Im Rahmen der „Quadriennale 2010“ zeigt die Stiftung Schloss und Park Benrath Objekte und Rauminstallationen von James Lee Byars im Corps de Logis der Maison de Plaisance von Schloss Benrath. Die Ausstellung veranschaulicht mit ausgewählten Werken des Konzept- und Performa ncekünstlers James Lee Byars seine Suche nach dem idealen Ort, dem perfekten Raumkörper und geometrischer Gestaltung. In den axial und symmetrisch auf die Gartenkompartimente ausgerichteten Räumen des Schlosses präsentiert, können Byars Werke nicht nur die Konstruktionslinien der Architektur von Nicolas De Pigage hervorheben, sie regen auch zur Reflexion kosmologischer und philosophischer Dimensionen an, mit denen sich beide Künstler auseinander gesetzt hatten.
Nicolas de Pigage (1723-1796), der Architekt des Bauherrn von Schloss Benrath, Kurfürst Carl-Theodor (1724-1799), ließ sich bei der Konstruktion des Schlosses dereinst von mathematischen Figuren leiten, die seit der Antike zur Darstellung von Perfektion und Vollkommenheit genutzt und von Architekturtheoretikern wie Vitruv, Leon Battista Alberti, Andrea Palladio oder Francois Blondel tradiert wurden. Noch heute ist die Geometrie jener Vorbilder an Baukörpern und tektonisch gestalteten Flächen der gesamten Anlage ablesbar: so beschreiben die imaginären Konstruktionslinien einen regelhaften Grundriß aus Kreisen, Recht- und Dreiecken, in welchem sich Gebäude, Alleen, Kanäle und Gartensäle zu einer Ganzheit fügen.
Der in Detroit geborene James Lee Byars (1932-1997) studierte Kunst und Philosophie an der Wayne State University und lenkte bereits früh mit Aktionen Aufmerksamkeit auf sich, in denen seine Präsentationen performative Merkmale annahmen; etwa bei der 1967 aufgeführten „Goldfadenparade“ im frühen Morgengrauen auf der New Yorker Wall Street. Es gelang ihm, Förderer für sich zu gewinnen und sein Studium zeitweise in Kyoto, Japan, fortzusetzen. Die wiederholten Auslandsaufenthalte übten auf Byars einen nachdrücklichen Einfluß aus. So ist seine frühe Performa ncekunst insbesondere vom japanischen Noh-Theater inspiriert. Wichtigstes Merkmal der im Laufe der 80er und 90er Jahre gefertigten Arbeiten war eine stete Steigerung des ephemeren Charakters: Kunst sollte durch Aktionen und Happenings „entmaterialisiert“ werden. Seine kostbar und rätselhaft wirkenden Objekte formieren sich im Streben nach Perfektion, nach Reduktion und Distanzierung zu einer einzigartigen Synthese fernöstlicher Techniken, und konzeptioneller oder minimalistischer Kunst, die von Aspekten des Happenings durchdrungen ist. Der von Nam June Paik in den 70ger Jahren mitbegründeten Kunstrichtung des Fluxus, der auch Joseph Beuys angehörte, steht Byars jedoch nur „formal“ nahe. Anders als Joseph Beuys, den James Lee Byars 1969 in Düsseldorf persönlich kennenlernte und dem er zeitlebens Kunstbotschaften zusandte, suchte sich Byars einer kunsttheoretischen Einordung zu entziehen. Seine späten Werke übersetzen das Theaterhafte (in Anlehnung an Shakespeare bezeichnete Byars seine Aktionen mit „plays“) wieder in die Gegenständlichkeit, indem sowohl die Darsteller – wie Byars selbst – als auch großformatige Marmor- oder Bronzeskulpturen philosophische Fragen evozierten. Byars bleibt ein autonomer Zug eigen, ein Spiel mit menschlicher Hybris, deren wichtigste Meilensteine mit Byars Worten „Stein, Einstein und Wittgenstein“ hinter ausschweifender Attitüde und zeremoniellem Gestus einen philosophischen Horizont erahnen lassen.
Der Formenkanon seiner Skulpturen sieht Kuben, Kugeln, Zylinder, Pyramiden und Sterne vor, die sinnbildlichen Wert haben. Auch Materialien und Farben, vor allem weißer Marmor, Samt, Schwarz und Rot, sollen die semantische Ebene betonen. Mit dem „Goldgrund“ verband Byars das Unberührbare, das Absolute oder das Spirituelle, das die perfekte Form, die Kugel, visuell überhöhte.
Im spielerischen Austausch von Innen- und Außenarchitektur, der einer strengen Choreographie von Blick- , Wegachsen und Spiegelungen geschuldet ist, erscheint die kunstvolle Komposition der Anlage von Schloss und Park Benrath als höchste Referenz an die Schönheit. In dieser auf utopische Konzepte vorausweisenden, historischen Umgebung unterstreichen die Skulpturen von James Lee Byars „die perfekte Achse“.

(Pressetext)


Künstler James Lee Byars