Der kuratorische Schwerpunkt im Bereich Gegenwartskunst fokussiert zunehmend in der künstlerischen Produktion der hauseigenen Reihe MADE FOR ADMONT. Eine Besonderheit dieser kontinuierlich weiter entwickelten Sammlungsschiene sind die grundsätzlich für sehbehinderte und blinde Menschen konzipierten, für Sehende mehrsinnlich wahrnehmbaren BEYOND SEEING-Kunstwerke.
Die ersten dieser Art wurden im Jahre 2002 in Auftrag gegeben. Im Museum des Stiftes Admont wird 2012 erstmals die auf 10 produktive Jahre rückblickende Werkschau dieser einzigartigen Sammlung von Kunstwerken JENSEITS DES SEHENS gezeigt.
Allen diesen sogenannten BEYOND SEEING-Kunstwerken gemeinsam ist, dass ihre Wahrnehmung über die Augen nicht im Vordergrund steht. Sie alle können von blinden Menschen und von Sehenden mit verbundenen Augen unterschiedlich erlebt werden. Natürlich haben sie auch immer eine Form – sind sie mehr oder weniger künstlerisch gestaltet, ihrem Zweck entsprechend designt. Somit sind diese Objekte, Bilder, Installationen oder multimedialen Werke auch sichtbar. Sie haben ihre eigene, oft verblüffende Ästhetik.
Für gewöhnlich heißt es in Galerien und Museen strikte: Nicht berühren! Bei diesen Kunstwerken ist das anders. In dieser Ausstellung kann Kunst – meist interaktiv – andersARTig erlebt werden. Je nachdem lassen sich die Exponate ertasten, hören und riechen, womöglich sogar schmecken.
Für blinde Menschen sind sie barrierefrei zugänglich. Sehenden wiederum wird Kunst auf unerwartete, auf spielerische Weise zugänglich - ganz anders, ganz neu. Wer dabei in die Tiefe geht, dem können sich die wesentlichen Fragen des Lebens eröffnen. Sehende können sich ein „Bild“ davon machen, wie die Welt der blinden Menschen „aussieht“. Auf besonderen Wunsch besteht bei einigen dieser Kunstwerke sogar die Möglichkeit, dass blinde Menschen ihre Wahrnehmungsweisen an Sehende vermitteln, wie es im „Unsichtbaren Garten“ der Fall ist.
Auch betreffend Berührungsängsten und Vorurteilen können barrierefreie Zugänge zur Gegenwartskunst gefunden werden. Kunst kann nicht nur gesehen, sie kann mit den Händen begriffen, mit allen Sinnen erfahren werden. Somit wird sie auch mit dem Kopf leichter begreifbar. Lässt man sich auf diese Kunst ein, öffnet sie die verschlossenen Augen so manches Sehenden für Bereiche, denen gegenüber viel von uns für gewöhnlich blind ist. Zwischen blinden und sehenden Menschen findet ein spannender und beiderseits grenzerweiternder Prozess des ART SHARING’s statt.
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