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Julius Bissier und Abraham David Christian: Zeichen der Stille

Künstler: Julius Bissier, Abraham David Christian

Ausstellung: 18.09.2010 - 30.10.2010

Veranstalter: Galerie Schlichtenmaier Stuttgart
Galerie Schlichtenmaier Stuttgart bei art-report

Stadt: Stuttgart
Homepage: Galerie Schlichtenmaier Stuttgart




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.Sehr geehrte Damen und Herren,
hiermit möchten wir Sie sehr herzlich zur Ausstellung "Julius Bissier und Abraham David Christian - Zeichen der Stille" einladen, die wir im Rahmen des art alarm-Galerie-wochenendes am Samstag, dem 18. September 2010 um 17 Uhr in unserer Stuttgarter Dependance auf dem Kleinen Schlossplatz eröffnen. Zur Eröffnung spricht Dr. Harry Schlichtenmaier. Abraham David Christian und Pedro Riz à Porta, der Enkel von Julius Bissier und Leiter des Archivio Bissier, werden anwesend sein. Letzterer wird am darauf folgenden Tag, Sonntag, dem 19. September, um 11 Uhr einen Vortrag zu seinem Großvater halten. Anschließend ist die Ausstellung bis zum 30. Oktober während der üblichen Öffnungszeiten zu sehen.

Die als Dialog angelegte Ausstellung kombiniert unter dem Titel "Zeichen der Stille" Bronzeskulpturen von Abraham David Christian mit Gemälden und Tuschzeichnungen von Julius Bissier . Beide Künstler haben eine poetische, zeitlose Zeichensprache entwickelt, die weder mit realen Gegenständen noch mit sprachlichen Begriffen eindeutig zu fassen ist. Die Werke beider Künstler zeugen von der intensiven Beschäftigung mit dem kulturübergreifenden menschlichen Formenschatz und bewegen sich auf der Grenze zwischen Minimalismus und Sinnlichkeit, Fragilität und Wucht. Kennzeichnend ist eine stille Harmonie und Balance.

Abraham David Christian konstatiert: "Schweigen ist nicht nur Nicht-Reden, sondern die Stille muss unser Mensch-Sein ganz durchdringen. Wenn die Stille das Innerste des Menschen erreicht, öffnet sich dem Menschen das bislang Verborgene". Wie auch die Arbeiten von Julius Bissier basieren seine Werke auf der Auseinandersetzung mit den Traditionen Asiens, Afrikas und Amerikas. Die während seiner Reisen und Aufenthalten gewonnenen Kenntnisse fremder Kulturen und deren Ausdrucksformen sind in die Werke eingeflossen. So reflektieren Christians Skulpturen Geräte und Gefäße, aber auch gesehene Architekturen wie die in Japan, China und Korea verbreitete Pagode, ein turmartiges Bauwerk, dessen einzelne Geschosse durch vorragende Gesimse voneinander getrennt sind. Manche Skulpturen erinnern an Grabbeigaben und heilige Gerätschaften. Es sind archetypisch anmutende Sinnzeichen im Raum, verzaubert und verzaubernd zugleich.

Oft gehen seinen Skulpturen flüchtige Zeichnungen voraus. Teilweise sind die Gipsmodelle für die Skulpturen in Hayama entstanden, einer kleinen japanischen Stadt und Sommersitz der japanischen Kaiserfamilie, in welcher der zweifache documenta-Teilnehmer seit einem viertel Jahrhundert ein Atelier unterhält. 1997 schreibt Abraham David Christian : "Meine Arbeiten sind ,Werkzeuge´ zur Selbstfindung, ,Werkzeuge' zum ,Sehnsuchen' - Vehikel auf dem Weg zur Freiheit - zur Unabhängigkeit - eine Vorbereitung zum ,Loslassen', zur Verwandlung - zum Verlassen der Welt".

Julius Bissier war von den Schriften des Rechts- und Kulturhistorikers Johann Jakob Bachofen schwer beeindruckt. Bachofens Forschungen wenden sich von der "materialistischen" Geschichtsdeutung ab und versuchen die tiefer liegenden, mythischen und irrationalen Schichten freizulegen. "Die Symbole in den Bildern sind stumme Gleichnisse, die vom Beschauer selten verstanden, aber geahnt werden als etwas Unaussprechliches oder Ergreifendes" - diese Aussage Bachofens hat in den Miniaturen Bissiers ihre bildhafte Umsetzung erfahren. Bissier kreierte Bildmythen, die - losgelöst von einer eindeutigen Symbolik - ein nachfühlbares, dem Naturerlebnis entstammendes Formempfinden vermitteln.

Ab Mitte der 1950er erschafft Bissier in Eiöltempera auf geschlämmten Leinen, Nessel oder Baumwolle mit eigens angefertigten Pinseln kleine Organismen. Diese orientieren sich weder an der Reproduktion einer gegenständlichen Welt, noch an einer bereits existierenden Kunstform. Bissier konfrontiert und kombiniert verschiedene Schrift- und Zeichenformen und verschränkt sie kompositorisch miteinander. Zusätzlich verleiht die Unregelmäßigkeit des als Untergrund dienenden Leinengewebes dem Werk einen archaischen Fragmentcharakter. Die von Hand hergestellte Malfläche ist nicht nur ein funktionaler Bildträger; sie ist Substanz, Wirkstoff - vergleichbar mit dem Gewebe lebendiger Organismen.

Die seltenen Tuschezeichnungen aus der Frühzeit von Bissiers künstlerischen Schaffens sind "Wesensstenogramme", die als Universalsymbole Zeichen ihrer Zeit, Zeichen für die Gefühle des Künstlers und für "die Seele der Welt" sind. Oft verdeutlicht die Dualität zweier Hauptformen eines von Bissiers Hauptthemen: "das polare Gegenspiel der Komposition mit männlichen und weiblichen Formcharakteren", so Bissier.

Um die Tuschen zu erschaffen versetzte sich Bissier in einen Zustand, der mit der Meditation der buddhistischen Mönche vergleichbar ist. Der Prozess der künstlerischen Arbeit erinnert an Exerzitien. Die Findung einer Form erfolgte in der ständigen Wiederholung und Variation des einen Zeichens, bis es für Bissier die angestrebte Gültigkeit enthielt.

(Pressetext)


Künstler Julius Bissier und Abraham David Christia