In Kooperation mit der Berliner Forschungsgruppe Historische Lichtgefüge untersucht die Ausstellung erstmals die unterschiedlichen Aspekte der Lichtmalerei. Malerei und Naturphilosophie des Barock sind beide Ausgangspunkt einer bis in die Gegenwart ausstrahlenden Lichtkultur. Ihrem Einfluss auf die moderne Kunst geht diese Ausstellung von Gemälden, Druckgraphik, optischen Geräten und neuesten Kunstwerken nach.
Thomas Weinberger konstruiert ein synthetisches Licht aus mehren Einzelaufnahmen. Die Synthesen, gemeint sind die Arbeiten aus einer auf diesem Prinzip aufbauende Serie, sind somit statische Bilder und von überzeitlichem Charakter geprägt. Weinberger geht es nicht um einen bestimmten Licht-Moment oder eine Licht-Stimmung, sondern um die Verdichtung von Licht. Damit führt der Künstler den Anspruch der Abbildung von "Realität" ad absurdum, der zumindest teilweise und in Abgrenzung zur Malerei, von der Fotografie gefordert wird. Das aus der Synthese hervorgehende neue, unwirkliche Mischlicht entwirft ein neues Modell der Welt, verschieden und doch verwandt mit dem, welches wir in unseren Köpfen abgespeichert haben. Die Verwunderung darüber schafft die Möglichkeit unser Modell der "Welt an sich" grundlegend in Frage zu stellen.
Michael Wesely hält durch seine Langzeitaufnahmen, welche teilweise mehrere Jahre andauern, nicht einen Moment, sondern ganze Zeitspannen fest. Es entstehen Bilder, die wir zu sehen nicht gewohnt sind: Den Fotografien Weselys sind der Verlauf der Zeit, der Fluss von Bewegungen und das Licht betreffende Abläufen eingeschrieben, ohne diese jedoch unmittelbar zu zeigen. Damit stellt sich die Frage, was wir hier eigentlich sehen? In hohem Maß sind die Arbeiten geprägt vom Zusammenspiel dessen, was zum einen das Foto zeigt und zum anderen dem, was wir in das Bild hinein projizieren. Projektion und Evokation als den Fotografien Weselys implizite Werkkategorien halten sich in einer nicht auflösenden Schwebe und stellen unsere gewohnte Wahrnehmung zutiefst in Frage.
Wesentlich in Michael Wesely s Fotografien ist das Licht. Das Licht entscheidet semiotisch blind über die Sichtbarkeit des Geschehens, und Wesely steuert das Licht so, dass es die Bilder zum Vorschein bringt, die er der Wirklichkeit abzunehmen hofft. Er nimmt auf, was seine Kamera zu sehen bekommt, erreicht aber mit Hilfe unüblicher und extrem ausgedehnter Belichtungszeiten, dass die Bilder von dem Anblick abweichen, den wir zu sehen gewohnt sind. Diese apparativ hergestellte Abweichung beruht, (...), auf einer Abweichung von der Konditionierung unserer Wahrnehmung. Dabei benutzt Wesely das Licht nicht nur zur Illustration der Zeit des Geschehens, die unserer Aufmerksamkeit normalerweise entgeht, er macht es implizit zum Thema. Er nimmt das Licht beim Licht wie man ein Wort beim Wort nimmt. (Jürgen Harten, 2010)
Ausstellungskonzeption, Kuratoren der Kasseler Ausstellung: Carolin Bohlmann, Thomas Fink und Philipp Weiss (Forschungsgruppe Historische Lichtgefüge), Justus Lange und Timo Trümper (Museumslandschaft Hessen Kassel).
Projektkoordination: Philipp Weiss
Pressetext
KünstlerInnen: Job Adriaensz Berckheyde, Daniel de Blieck, Robert Campin (Kopie), Michelangelo Caravaggio, Giuseppe Cesari, Pieter Claesz , Cornelis Cornelisz, Benjamin Gerritsz Cuyp, Albrecht Dürer , Gerbrand van den Eeckhout, Caspar David Friedrich , Hendrick Goudt, Jacob Philipp Hackert, Johann Oswald Harms, Gerard van Honthorst, Pieter de Hooch , Christiaan Huygens, Jan Lievens, Harmen Loeding, Pieter Neefs d. Ä., Aert van der Neer, Jacob Ochtervelt, Egbert van der Poel, Pieter Rahmstorpff, Harmensz Rembrandt, Johann Heinrich Roos, Peter Paul Rubens , Jacob Solomonsz Ruysdael, Jan Saenredam , Pieter Jansz Saenredam, Godfried Schalcken, Evert Marseus van Schrieck, Matthias Stom, Gerard Ter Borch, Simon Peter Tilmann, Lippo Vanni, Willem van de Velde d. J., Jan Vermeer , Januarius Zick, Thomas Bachler , Thomas Graichen, Yasuhiro Sakamoto, Hiroshi Sugimoto , Thomas Weinberger , Michael Wesely