
Ab März 2012 wird der junge Ausstellungsraum, die Remise des Kunstvereins Braunschweig, von dem französischen Künstlerduo Louise Hervé und Chloé Maillet zum Forschungs- und Konferenzzentrum umfunktioniert. Die Installation, eine Mischung aus Sitzungsraum, Archiv und Bibliothek, wird zur Bühne von Performances, Diskussionen und Vorträgen, die sich alle um den Mythos Pythagoras drehen werden. Archivalisch nicht greifbar die ersten schriftlichen Aufzeichnungen wurden erst Jahrhunderte später angefertigt zählt der antike Philosoph und Mathematiker zu den rätselhaftesten Persönlichkeiten unserer Geschichte.
Als Vortragende sollen Persönlichkeiten der Technischen Universität Braunschweig, der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt Braunschweig, des Herzog Anton Ulrich Museums oder des Städtischen Museums Braunschweig gewonnen werden.
In dem für die Braunschweiger Ausstellung neu produzierten Film wird Pythagoras zum Filmhelden, er spielt die Hauptrolle in einer Mischung aus Western, Historien- und Gladiatorenfilm. Denn seit einiger Zeit stehen sie im Mittelpunkt der Recherchen des Künstlerduos: die Schwert- und Sandalen-Filme, die in den 1960er Jahren ihren Siegeszug antraten, allen voran der Hollywood-Epos Ben Hur.
Diese Vorgehensweise, die Präsentation von Fiktion im historischen Gewand oder aber die Weiterverarbeitung von historischen Bruchstücken, ist bei Louise Hervé und Chloé Maillet künstlerische Strategie. Mit streng zurückgekämmten Haar und Stiftrock präsentieren die beiden, für den Zuschauer ununterscheidbar, Dokumentation und Fiktion in didaktisch und gleichzeitig poetisch angelegten Performances. Dokumente, literarische Referenzen und Fundstücke fließen in immanenter Sinnhaftigkeit ineinander. Es sind Vorträge und dann doch wieder keine: es geht um Rhetorik und den sprachlichen Jargon von Wissenschaft und Didaktik, um das Wesen von Geschichte, um das Forschen und wissenschaftliche Aufarbeitungsprinzipien selbst.
Der begleitend zur Ausstellung erscheinende Katalog stellt die erste Monografie des Künstlerduos dar und ist deshalb von enormer Bedeutung für ihr Renommee. Die Publikation wird in erster Linie die Ausstellung und die begleitenden Performances und Vorträge dokumentieren. Ergänzend werden ältere Projekte und Arbeiten des Künstlerduos vorgestellt. Ohne die Zuwendung des Bureau des Arts Plastiques würde der Katalog in dieser Form nicht finanzierbar sein.
Das Künstlerduo (beide Jahrgang 1981) arbeitet seit 10 Jahren zusammen. Während Louise Hervé zunächst Kunstgeschichte und danach an der École Nationale dArts de Cergy Kunst studierte, absolvierte Chloé Maillet zusätzlich zu Geschichte und Kunstgeschichte ein Studium der Anthropologie. Neben bedeutenden Preisen und Stipendien erhielten sie 2008 verbunden mit einer Gruppenausstellung ein Atelierstipendium am Palais de Tokyo .
Die Ausstellung in der Remise des Kunstvereins Braunschweig stellt Ihre erste institutionelle Einzelausstellung in Deutschland dar.
Artists: Louise Hervé & Chloé Maillet