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.In Luisa Richter s Oeuvre, das Ölgemälde, Gouachen, Aquarelle, Zeichnungen, Schriftbilder und Druckgraphik umfasst, besitzt die Collage als künstlerisches Verfahren werkübergreifende Bedeutung. Vielschichtige, mitunter im Widerstreit miteinander stehende kulturelle und politische Erfahrungen, Erkenntnisse und Visionen der 1955 von Deutschland nach Lateinamerika ausgewanderten Künstlerin sind die dafür wesentlichen Impulsgeber.
Richters Collagen aus Fragmenten gemalter, gedruckter, gezeichneter und geschriebener Dokumente, zerlegter Fotografien, Buch- und Zeitschriftenseiten, teilweise übermalt, sind künstlerisch herausragende Zeugnisse einer komplexen Wahrnehmung von Innen- und Außenwelt, die sich spielerisch und poetisch in einer ebenso komplexen Bildwirklichkeit materialisiert.
Auch in den Arbeiten, die nicht aus verschiedenen Materialien bestehen, wie beispielsweise in ihren Gemälden oder Zeichnungen, ja selbst in ihren Texten, ist das Prinzip der Collage ablesbar, als Fügung und Durchdringung unterschiedlichster Bestandteile eines Erkenntnisfeldes.
Die Exponate der Ausstellung, Materialcollagen der 60er, 70er, 80er und 90er Jahre, veranschaulichen sowohl inhaltlich als auch in technischer Hinsicht eine bemerkenswerte Aktualität, die dennoch jeglichem Zeitgeschmack trotzt.
Geboren wurde Luisa Richter , mit Mädchennamen Louise Kaelble, 1928 in Besigheim am Neckar. 1946 studierte sie an der Merz Akademie in Stuttgart, 1947 bis 1949 an der Freien Kunstschule Stuttgart und anschließend bis 1955 an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart bei Willi Baumeister, der sie außerdem in die Philosophievorlesungen von Max Bense an der Stuttgarter Universität schickte. Im avantgardistischen Umkreis ihres Mentors Baumeister lernte sie Kurt Leonhard kennen, den Kunstwissenschaftler, Dichter und Philosophen aus Esslingen, mit dem sie eine lebenslange Freundschaft verbinden sollte.
1955 heiratete die Künstlerin den seit Anfang der 50er Jahre in Caracas als Ingenieur tätigen Hans Joachim Richter. Seither lebt Luisa Richter in Lateinamerika, wobei sie anfangs jährlich, später in größeren Abständen, doch stets regelmäßig, für eine Weile in ihr Elternhaus nach Besigheim zurückkehrte.
Von 1969 bis 1987 arbeitete sie als Professorin für Komposition und Zeichnung am Instituto de Diseño de la Fundación Neumann in Caracas. 1978 nahm sie als Repräsentantin von Venezuela an der Biennale in Venedig teil. Sie wurde zu einer der erfolgreichsten Künstlerinnen Lateinamerikas. Zahlreiche Ausstellungen, Publikationen und Filme dokumentieren ihr Leben und Schaffen. Vielfach wurde Luisa Richter für ihr künstlerisches Werk und ihre pädagogischen Leistungen ausgezeichnet. Zuletzt erhielt sie 2001 das Verdienstkreuz am Bande der Bundesrepublik Deutschland und im März 2010 den Ehrendoktortitel der Zentraluniversität Simón Bolívar in Caracas. Luisa Richter lebt und arbeitet in Caracas/Venezuela.
(Pressetext)
Künstler Luisa Richter