Das außergewöhnlich vielseitige Werk des amerikanischen Fotokünstlers Mark Morrisroe (19591989) zeigt die Villa Stuck in der ersten großen Museumsschau seit der Aufarbeitung seines Nachlasses. Meist präsentiert in Gruppen- und Themenausstellungen ist Morrisroe bislang vor allem bekannt in Zusammenhang mit seinen Bostoner Kollegen Nan Goldin und David Armstrong.
Mark Morrisroe war im Boston der frühen 1980er-Jahre eine charismatische Figur, erschien er doch mit seinen Künstlerfreunden aus Studienzeiten oft gemeinsam in Drag und performte mit Stephen Tashjian, alias Tabboo!, unter dem Pseudonym »Clam Twins« in den Bars und Clubs der Stadt. Auch als Künstler und Fotograf war er faszinierender Mittelpunkt einer lebendigen Bostoner Punk- und Kunstszene, deren wichtigste Protagonisten weit über die Stadt hinaus bekannt waren. Wie Nan Goldin und David Armstrong vor ihm, zog Mark Morrisroe Mitte der 1980er-Jahre nach New York, um dort sein Glück zu suchen. Bereits im Juli 1989 starb er mit nur 30 Jahren an den Folgen von Aids.
Morrisroes kurze Schaffenszeit von knapp zehn Jahren war geprägt von einem erstaunlichen Output fotografischer Experimente. Sein Werk zeichnet sich durch eine neugierig suchende und stets individuelle Ästhetik aus. Die etwa 300 ausgestellten Arbeiten stammen zum Großteil aus dem Nachlass des Künstlers, der 2004 von der Sammlung Ringier erworben wurde und im Fotomuseum Winterthur wissenschaftlich aufgearbeitet und betreut wird. Frühe Farb- und Schwarz/Weiß-Abzüge, Polaroids und Polaroid-Negative stehen neben von Hand bearbeiteten Fotogrammen. Bemerkenswert sind Morrisroes »Sandwich«-Prints, Vergrößerungen von übereinander montierten Doppelnegativen des gleichen Sujets, die zu einer ikonisch wirkenden Bildlichkeit führten.
Eine Ausstellung des Fotomuseums Winterthur in Kooperation mit dem Artists Space , New York und der Villa Stuck, München. Die Ausstellung »Mark Morrisroe « entstand in Zusammenarbeit mit dem Nachlass Mark Morrisroe (Sammlung Ringier) im Fotomuseum Winterthur . Kuratoren: Beatrix Ruf (Direktorin Kunsthalle Zürich /Künstlerische Leiterin Sammlung Ringier) und Thomas Seelig (Fotomuseum Winterthur).
Artists: Mark Morrisroe