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NACHTMAHRE

Künstler: Sebastian Gögel, Emeli Theander, Keti Kapanadze

Ausstellung: 10.06.2011 - 30.07.2011

Veranstalter: Parrotta Contemporary Art Stuttgart
Parrotta Contemporary Art Stuttgart bei art-report

Stadt: Stuttgart
Homepage: Parrotta Contemporary Art Stuttgart




 


In den Bildern und Skulpturen der drei Künstler/innen verliert die konkrete äußere Welt an Faszination gegenüber der Welt des Subjekts. Die Wahrheit des Subjekts hat immer den Charakter einer Fiktion. Sie ist eine symbolische Konstruktion aus heterogenen Elementen, in der sich Zeugnisse, Zitate und Deutungen des Subjekts mischen. Damit ist die Fiktion jedoch keine bloß „subjektive“ oder „relative“ Wahrheit, sondern sie ist in erster Linie ein Wirken.
Die ambivalente Wirkmacht von Albträumen, Visionen, oftmals des Grauens, verspricht ein poetisches Potential zwischen Angst und Lust, das die Kunst seit jeher beflügelt. Anhand der „Kunstgeschichte des Grauens“ lässt sich feststellen, dass auch diese andere traumatische Welt jenseits der Grenze einer Ordnung unterworfen ist. Diese „Ordnung des Unbewussten“ in der Kunst ist durch Stilmerkmale gekennzeichnet, die mit dem Begriff des Formlosen (Bois/Krauss) verbunden sind. Gemeint ist hierbei nicht die Negation der Form, sondern vielmehr die Bewegung ihrer Auflösung, der Prozess der Überschreitung oder Penetration von Körpergrenzen.

Dass Sebastian Gögel seine phantasmagorischen, amorphen Zeichnungen und Gemälde mitunter auch auf menschliche Haut tätowiert, entspricht einer Geste der Grenzüberschreitung, die sich durch seine medienübergreifende Arbeit zieht. In seinen stark deckenden Farben und schwer tropfenden oder quellenden Formen scheint stets eine unterdrückte Kraft gegen einen Widerstand zu kämpfen, die mal explosiv, mal triefend zum Ausbruch kommt. Es formieren sich so Gestalten einer surrealen Welt, in denen Angst, Beklemmung und Gewalt – das gesamte Spektrum des Unbehagens in der Kultur – zum Ausdruck kommen und die Stabilität des Subjekts erschüttern.

Keti Kapadnazes flächig, ornamental angelegte Malerei erinnert nicht von ungefähr an die Höllendarstellung aus Hieronymus Boschs ‚Garten der Lüste’, in dem die räumliche Ordnung der Welt einer permanenten Orientierungslosigkeit, einem Schweben im Raum weicht. Durch transluzierende Schichten schwirren zeichenhafte Bildelemente, die scheinbar ohne jede Hierarchie, ihres Referenten verlustig, an der Oberfläche einer genuin künstlichen malerischen Welt haften. In der scheinbaren Nähe zum Dekor steckt der Konflikt, denn der Eleganz folgt die Fratze auf den Fuß.

Emeli Theanders Malerei konkretisiert sich auf der Grenze zwischen dem schönen Schein und dem Unheimlichen fremder Welten. Ihre vergeisterten Wesen in traumhaft düsteren, an Goyas Caprici oder Füsslis Nachtmahr erinnernden Szenerien, lassen auch malerisch dem Flüchtigen, Vagen seinen Raum und geben sich der Lust am Schauer hin. Oftmals sind es kindliche Geschöpfe, die den Betrachter in ihr unschuldig-teuflisches Spiel zu verwickeln und in karnevaleske Welten zu entführen suchen.
 

Pressetext


KünstlerInnen: Keti Kapanadze , Sebastian Gögel , Emeli Theander