| Mit dem Schrecken leben, das Grauen der Geschichte akzeptieren und ihm von Angesicht zu Angesicht entgegen treten: In den Ackerfurchen der Bilder von Anselm Kiefer wird bewusst das unbewusste kollektive Gedächtnis umgegraben und durch die beigefügten Textfragmente lieber vergessene Geschichte aufgeweckt. 1945 in Donaueschingen (Deutschland) geboren, setzte er sich zunächst mit der deutschen Vergangenheit auseinander, heute lebt er in Paris. Kiefer geht davon aus, dass bestimmte Begriffe in einem Kulturkreis emotional besetzt sind. Und so verbindet er seine düsteren Landschaften immer mit, in krakeliger Kinderschrift notierten Begriffen, Namen, Buchtiteln und Zitaten, die eng mit dem deutschen kulturellen und geschichtlichen Erbe verknüpft sind. Der dadurch aus unserem kollektiven Bewusstsein herbeigerufene emotionale Assoziationsrahmen ist Teil der in seinem Werk immer nur angedeuteten, aber beabsichtigten Reflektion über die Vergangenheit und das Heute. Seit 1994 lebt Kiefer in Frankreich und seine deutsche Trauerarbeit scheint damit zunächst abgeschlossen. Sein Themenkreis weitet sich aus: auf das Gedächtnis der Welt und dem Kosmos zu. Die Suche nach dem Sinn der Geschichte und des Gedächtnisses wird zu einer Suche nach dem Sinn des Lebens. © ArtLogistics |