| Christian Boltanski, geboren 1944 in Paris, zählt zu den wichtigsten Vertretern der sog. Spurensicherung. Dabei geht es um das Sammeln und Präsentieren realer oder fiktiver Artefakte, die der Künstler in einem ebenfalls realen oder fiktiven Zusammenhang, immer jedoch nach subjektiven Erfahrungen, zur Schau stellt. Bereits 1970 zeigte Boltanski seine erste Arbeit "Vitrine de référence". Weil die Vitrine oder der Objektkasten die Träger der Objekte sind, verleihen sie der Arbeit eine anthropologische Ebene: die Objekte werden zu modernen Reliquien. Dieser Effekt liegt auch den späteren Arbeiten Boltanskis zugrunde, allerdings arbeitet der Künstler hierbei stärker mit Fotografien, die er in Installationen präsentiert. Zentrales Thema ist der Holocaust, gewissermaßen ein Steinbruch der Erinnerung. Boltanski zeigt Portraits auf verwaschenen Fotos, die nicht den Schrecken selbst darstellen, nicht den Tod schon in sich tragen, sondern als Sinnbild der Erinnerung fungieren. So entsteht eine Kunst der Erinnerung, eine Kunst nach dem Schrecken, die dem Tod und damit dem Vergessen entgegenwirkt. Es geht Boltanski somit immer um das Erinnern und nie um das Abbilden; es geht um den Moment, in dem man gewahr wird, dass etwas vergangen ist und es auch bleibt. Das ist das Ziel von Boltanskis Kunst. Christian Boltanski lebt und arbeitet in Malakoff nahe Paris. © ArtLogistics |