| Dünne Linien ziehen sich ungebändigt und frei über die Bildoberfläche. Der Raum ist nicht geordnet und fadengleich wandern sie über die Fläche, verdichten sich an einigen Stellen, lösen sich wieder auf. Manchmal formen sich Linienknäule, manchmal Worte, Ziffern und Zeichen. Auf den ersten Blick scheinen die Arbeiten von Cy Twombly, der 1928 in Lexington (USA) geboren wurde und in Italien lebt und arbeitet, oft losgelöst von Zeit und Raum; wären da nicht die vielen Anspielungen, die auf Mythen, Geschichte und Realität verweisen. Der Bildgrund ist meist hell (weiß), manchmal auch dunkel und vielschichtig. Uneindeutig lasiert verschieben sich die Ebenen des Grundes neben-, auf- und übereinander und machen so die zarten Linien (zum Teil) verschwinden. Das erinnert an Traum oder Gedächtnis, wo sich assoziativ immer neue Ebenen und Bezüge auftun. Manchmal wird es auch bunt, und die Linien werden zu Formen und Farbflächen, aber das zarte, oft auch kindlich inspiriert wirkende dominiert auch hier. Die vorherrschende Zurückhaltung der Arbeiten, die sich nie ganz offenbaren, wirkt auch in Twomblys Skulpturen. Kryptisch in ihrer Einfachheit und der Verwendung von altbekannten Materialien. Aber ebenso wie die Bilder durchzieht sie etwas Lyrisches. Twombly ist auch das gesamte Obergeschoss im Museum Brandhorst gewidmet. © ArtLogistics |