Schon auf den ersten Blick wird klar, dass wir es bei Gerhard Richter mit einem Maler zu tun haben, dessen formale Vielfalt immer wieder aufs Neue überrascht. Ständig wechseln in seinem Oeuvre "gegenständliche", "abstrakte" und "monochrome" Bildauffassungen. Dieses Nebeneinander verschiedener malerischer Vorgehensweisen steht für eine einzigartige künstlerische Haltung. Zum Beispiel scheinen mehrere, an unscharfe Fotos erinnernde Werke auf den ersten Blick traditionellen Bildgattungen wie "Portrait" oder "Landschaftsmalerei" zu entsprechen. Andere von Anfang an ungegenständlich angelegte Arbeiten bestechen wiederum durch ihre reliefartigen Strukturen, brillanten farblichen Schichtungen und ihren beinahe atmosphärischen Charakter. Sie verführen uns geradezu, angestammten Sehgewohnheiten nachzugeben, lassen räumliche Tiefe, Licht, Schatten und beinahe körperlich zu nennende schwebende Formationen in perfekt angelegten Illusionsräumen entdecken, wo sich faktisch nur gerakelte, gespachtelte oder lasierend vermalte Farbmaterie befindet. Richters Weigerung, sich auf eine eindeutig erkennbare Handschrift festzulegen, sein "Stilbruch als Stilprinzip" ist bezeichnend für einen äußerst differenzierten Wirklichkeitsbezug.
( Neues Museum Weserburg Bremen)
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