In über sechzig Jahren hat Louise Bourgeois ein unverwechselbares Œuvre geschaffen. Ihr Ausgangspunkt ist das eigene Leben und Erleben. In die Gemälden und Zeichnungen der frühen 1940er Jahre fliessen Träume und Visionen der jungen Künstlerin ein. Zehn Jahre später werden die dreidimensionalen Arbeiten zunehmend amorph und selbstbezogen. Diese neuen Plastiken erwachsen aus dem direkten körperlichen Kontakt mit einem modellierbaren Werkstoff. Bourgeois sucht das Haptische, um ihre Erlebnisse und Ängste zu begreifen und sich zu befreien. Sie experimentiert mit traditionellen Materialien und neuen, synthetischen Werkstoffen, etwa mit Marmor, Bronze, Fiberglas und Latex. Im Unterschied zu Malerei und Skulptur ist Zeichnen für Louise Bourgeois seit je eine Selbstverständlichkeit. Insbesondere das Konvolut „Insomnia Drawings“, 1994–1995, dokumentiert den Reichtum ihres formalen wie motivischen Vokabulars und gewährt Einblick in die unvergleichlich frische Denk- und Arbeitsweise der damals über 80-jährigen Künstlerin. Zeichnend nutzt und transformiert sie die schlaflosen Nächte, die Ausdruck ihrer existenziellen Angst sind: «Der Zweck der Kunst ist, die Angst zu besiegen. Nichts mehr und nichts weniger.» Louise Bourgeois wurde 1911 in Paris geboren und lebte seit 1938 in New York. Sie starb 2010. (Auszug „Daros Exibition“, Zürich) |