Die Stoffpuppen und Kuscheltiere sehen nicht mehr besonders liebenswert aus. Sie sind platt gedrückt, um scharfe Ecken gebogen und dadurch grotesk deformiert. Ihre Leiber aus gehäkelten und genähten Stoffen sind jetzt miteinander verbunden, zu einer Einheit vernäht und nicht mehr souveräner Gegenstand der Liebe eines Kindes, sondern im Kollektiv eine ästhetische Provokation des Betrachters. Ihr Erschaffer, und damit das Zentrum der Provokation, ist Mike Kelley. Der 1954 in Detroit geborene Künstler, der heute in Los Angeles lebt und arbeitet, spielt in seinen Arbeiten stets mit der offensiven Kritik an den allgemein anerkannten Umständen einer religiösen, amerikanischen Mittelklasse. In ihr verortet er nämlich das Unheimliche, jenes kollektive Unbehagen gegenüber einer unterschwelligen Angst vor dem Unsagbaren. Diese Kritik schreit die Frage geradezu heraus, was die allgemein anerkannte Normalität anderes sei als eine mit Mühe zusammengehaltene Scheinwelt, die an genau den Stellen bröckelt und bricht, an denen Kelley mit seinen Werken ansetzt. Der Sarkasmus ist hierbei ein beabsichtigtes Stilmittel zur allgemeinen Systemkritik und er vergnügt sich in Feldern wie Familie, Religion, Sexualität, Kunstgeschichte und Erziehung. Kelley, der mit Performances seine Laufbahn begonnen hatte, arbeitet in seinen Werken deutlich autobiografisch. © ArtLogistics |