Prof. Henrik Hanstein
1. Kann sich ein Investment in Kunst lohnen wie eine Aktienanlage?
Hanstein: Die Investition in Kunst ist ebenso gut wie die in Aktien und bietet darüber hinaus noch den Vorteil, dass die Rendite steuerfrei ist.
2. Wie sicher ist eine Investition in Kunst?
Hanstein: Das weltweit zunehmende Interesse für Kunst stößt auf einen verknappenden Markt, besonders bei Alten Meistern. Das führt automatisch langfristig zu einer Wertsteigerungsgarantie.
3. Die Kunstproduktion ist derzeit enorm groß, wird dadurch nicht die Nachfrage überstrapaziert?
Hanstein: Jedes Bild, das in ein Museum oder in eine öffentliche Stiftung geht, verkürzt auf Dauer das Marktangebot.
4. Derzeit wird viel über die Schutzfunktion von Sachwerten vor Inflation geredet. Die Preise von Spitzenwerken erreichen astronomische Höhen. Kann Kunst als Krisenschutz dienen?
Hanstein: Aussagen, daß die Investition in Kunst, die neben dem Kunstinteresse stehen sollte und nicht darüber, vornehmlich bei sechs- und siebenstelligen Objekten lohnend sei, halte ich für Unfug. Alle Krisenzeiten haben immer wieder bewiesen, dass sehr teure Einzelwerke dann auch entsprechend weniger Käufer finden, die über solche Summen verfügen können. Vielmehr glaube ich, daß auch im mittleren fünfstelligen und niedrigeren sechsstelligem Bereich solche Investitionen sehr interessant sein können. Es gibt in diesem Bereich einfach weltweit mehr Kunden, die sich dies erlauben können.
5. Ist zeitgenössische Kunst derzeit überbewertet im Vergleich zu Alten Meistern?
Hanstein: Mir erscheint gerade die Investition in Alte Meister im Preisvergleich zur Zeitgenössischen Kunst sehr interessant und wir können auch schon beobachten, dass einige sehr namhafte Sammler für Zeitgenössische Kunst hier und da aus ästhetischen und finanziellen Gründen ein Interesse für frühe Tafelbilder zeigen.
6. Im den letzten zehn Jahren ist das Interesse an zeitgenössischer Kunst explodiert – warum also jetzt auf Alte Meister setzen?
Hanstein: Um so älter die Bilder, um so mehr Distanz, um so mehr Sicherheit und um so mehr Vergleichsmöglichkeiten haben wir. Nicht vergessen sollte man unbedingt, die bis heute noch nicht genügend bekannte UNESCO-Konvention, die seit 2008 in über hundert Ländern der Welt gilt. Sie besagt, daß die Ausfuhr von Kunst in Drittländer, wie zum Beispiel von der EU in die Schweiz oder in die USA, die älter als fünfzig Jahre und bei Gemälden teurer als hundertfünfzigtausend Euro ist, einer Genehmigung des zuständigen Kultusministeriums bedarf.
Das heißt, der Markt innerhalb der europäischen Union ist durch den Wegfall der Binnengrenzen weitaus größer und unkomplizierter geworden, aber die Grenzen der EU sind für die Ein- und Ausfuhr von Kunst höher geworden. Dies wird von den Zollbehörden in die Schweiz oder die USA oder in weitere Drittländer zunehmend ernster genommen –unbedingt die Kaufrechnungen aufheben.